- Drei Fraunhofer-Institute testen in einem Bremer GEWOBA-Quartier mit 265 Wohnungen, wie sich Trinkwasser digital sparen lässt.
- Die Wohnungen erhalten digitale Wasserzähler, Bewohner sehen ihren Verbrauch im anonymen Vergleich.
- Eine Zisterne mit 5.000 Litern sammelt Regenwasser vom Parkhausdach für Gärten und Stadtbäume.
- Die zweite Projektphase läuft von November 2025 bis Ende 2028.
- Haushalte in Deutschland nutzten 2024 laut BDEW im Schnitt 122 Liter Wasser pro Kopf und Tag.
Inhalt · 5 Abschnitte
Was testet Fraunhofer im Bremer Wohnquartier?
Drei Fraunhofer-Institute testen in Bremen, wie ein ganzes Wohnquartier mit digitaler Technik Trinkwasser sparen kann. Reallabor ist eine Siedlung der Wohnungsgesellschaft GEWOBA in Gartenstadt Süd mit 265 Wohnungen. Die Wohnungen erhalten digitale Wasserzähler, draußen sammelt eine Zisterne Regenwasser für Bäume und Gärten. Das Projekt InDigWa läuft in seiner zweiten Phase von November 2025 bis Ende 2028.
Hinter dem Namen InDigWa steht die integrierte Digitalisierung der Trinkwasserversorgung. Beteiligt sind das Fraunhofer IAO in Stuttgart, das Fraunhofer IGB und das Fraunhofer ISI. Hinzu kommen Partner aus Wohnungs- und Wasserwirtschaft, darunter der Bremer Versorger swb, die GEWOBA sowie Hersteller von Zählern, Rohrsystemen und Regenwassertechnik. Die erste Projektphase von 2023 bis Sommer 2025 diente der Analyse und Machbarkeit, jetzt geht es um den Praxisbetrieb.
Am 9. Oktober 2026 hat das Fraunhofer IAO den Stand des Projekts vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen zwei Anwendungsfälle: einer im Gebäude und einer im Außenraum.
| Projektbaustein | Was genau passiert |
|---|---|
| Ort | GEWOBA-Quartier Gartenstadt Süd, Bremen |
| Größe | 265 Wohnungen |
| Laufzeit Phase 2 | November 2025 bis Ende 2028 |
| Innen | digitale Wasserzähler, anonymer Verbrauchsvergleich, Temperaturführung im Trinkwassernetz |
| Außen | Zisterne mit 5.000 Litern auf einem Parkhausdach, Filter, Füllstandsmessung mit Wetterprognose |
| Bäume | 4 Testbäume mit Bodenfeuchtesensoren, 4 Vergleichsbäume mit üblicher Bewässerung |
Wie sollen Mieter mit Smart Metern Wasser sparen?
Im Gebäude setzt das Projekt auf Transparenz statt Verbote. Die Wohnungen werden mit digitalen Wasserzählern ausgestattet, die den Verbrauch laufend erfassen. Über ein Dashboard sehen Bewohner ihren Verbrauch im Vergleich zu einer anonymen Gruppe. Wer erkennt, dass er deutlich mehr verbraucht als vergleichbare Haushalte, findet eigene Sparmöglichkeiten. Ziel ist eine Verhaltensänderung, die ohne Komfortverlust auskommt.
Ein zweiter Baustein betrifft das warme Wasser. Die Forscher untersuchen, wie sich die Temperatur im Trinkwassernetz des Gebäudes so steuern lässt, dass sich keine Legionellen vermehren. Gleichzeitig soll Energie zurückgewonnen werden, wenn die Wassertemperatur gezielt abgesenkt wird. Für Vermieter ist das ein doppelter Hebel: Weniger Warmwasser senkt auch die Heizkosten, die in vielen Mehrfamilienhäusern ein großer Posten der Nebenkosten sind.
Wie viel Wasser im Haushalt anfällt, zeigen die amtlichen Zahlen. Nach Angaben des Umweltbundesamts entfallen 36 Prozent des Trinkwassers auf Körperpflege und 27 Prozent auf die Toilettenspülung. Wäsche macht 12 Prozent aus, Essen und Trinken nur 4 Prozent. Wer beim Duschen spart, senkt also Wasser- und Energiekosten zugleich.
Wie hilft Regenwasser im Außenraum?
Draußen sammelt eine Zisterne mit 5.000 Litern Fassungsvermögen das Regenwasser vom Dach eines Parkhauses. Ein Filter entfernt Reifenabrieb, Öl und Benzinreste. Der Füllstand wird in Echtzeit gemessen und mit Prognosen des Deutschen Wetterdienstes verknüpft. Steht Starkregen bevor, kann die Zisterne vorher Platz schaffen und so die Kanalisation entlasten. Das gespeicherte Wasser nutzen Bewohner für ihre Gemeinschaftsgärten.
Ein Teil des Projekts gilt jungen Stadtbäumen. Vier neu gepflanzte Bäume haben Sensoren erhalten, die die Bodenfeuchte in unterschiedlichen Tiefen messen. Sie werden nur dann bewässert, wenn der Boden tatsächlich trocken ist. Vier weitere Bäume werden zum Vergleich wie bisher üblich gegossen. So soll sich zeigen, wie viel Wasser eine bedarfsgerechte Bewässerung spart und wie gut die Bäume damit anwachsen.
Am Ende will das Forschungsteam bewerten, wie viel Wasser gespart wird, wie stark der CO2-Ausstoß sinkt und ob sich die Technik wirtschaftlich lohnt. Für die Umsetzung vor Ort ist Sarah Kaltenegger vom Fraunhofer IAO zuständig. Sie untersucht nach Angaben des Instituts, wie solche Veränderungen sozial verträglich gelingen können.
Wie viel Wasser verbrauchen Haushalte in Deutschland?
Der Wasserverbrauch der Haushalte ist seit 1990 deutlich gesunken und liegt seit Jahren stabil. Laut Statistischem Bundesamt gaben die Versorger 2022 im Schnitt 126 Liter je Einwohner und Tag an Haushalte und Kleingewerbe ab, nach 128 Litern im Jahr 2019. Der Branchenverband BDEW meldet für 2024 einen Wert von 122 Litern. Im Jahr 1991 waren es noch 144 Liter.
| Jahr | Wasserabgabe an Haushalte und Kleingewerbe | Quelle |
|---|---|---|
| 1991 | 144 Liter je Einwohner und Tag | Statistisches Bundesamt |
| 2010 | 121 Liter | Statistisches Bundesamt |
| 2016 | 123 Liter | Statistisches Bundesamt |
| 2019 | 128 Liter | Statistisches Bundesamt |
| 2022 | 126 Liter | Statistisches Bundesamt |
| 2024 | 122 Liter | BDEW |
Der höhere Wert von 2019 fällt in eine Phase trockener, heißer Sommer, in denen erfahrungsgemäß mehr gegossen und geduscht wird. Für die Wasserversorger ist deshalb weniger der Jahresverbrauch das Problem als die Spitzenlast an heißen Tagen. Genau hier setzen Zisternen und gesteuerte Bewässerung an. Laut BDEW gibt jeder Mensch in Deutschland im Schnitt rund 30 Cent am Tag oder etwa 108 Euro im Jahr für Trinkwasser aus.
Was bedeutet das Projekt für Bauherren und Wohnungsunternehmen?
Für Bauherren und Wohnungsunternehmen zeigt das Bremer Projekt, welche Technik sich im Bestand nachrüsten lässt: digitale Wasserzähler je Wohnung, Zisternen auf Dach- und Parkflächen und sensorgesteuerte Bewässerung. Solche Maßnahmen entlasten Kanalnetze bei Starkregen und senken bei Warmwasser auch die Energiekosten. Ob sich die Investition lohnt, sollen die Messdaten bis Ende 2028 belegen.
Für Planer neuer Quartiere ergeben sich daraus konkrete Punkte, die sich früh in die Planung aufnehmen lassen:
- Leerrohre und Platz für digitale Zähler in jeder Wohnung vorsehen.
- Dach- und Parkflächen auf Regenwassernutzung und Rückhaltung prüfen.
- Zisternen mit Füllstandsmessung planen, damit sie vor Starkregen entleert werden können.
- Bewässerung von Grünflächen und Stadtbäumen sensorgesteuert auslegen.
- Bewohner früh einbinden, damit Verbrauchsdaten akzeptiert und genutzt werden.
Weitere Innovationen für Gebäude und Quartiere stellen wir im Bautechnik & Innovation Ratgeber vor. Wie neue Bauweisen Kosten und Bauzeit verändern, zeigt etwa unser Beitrag zum 3D-Druck-Haus. Stand dieses Beitrags ist Oktober 2026.
Häufige Fragen
Was ist das Projekt InDigWa?
InDigWa steht für integrierte Digitalisierung der Trinkwasserversorgung. Drei Fraunhofer-Institute testen dabei mit Partnern in einem Bremer Wohnquartier digitale Wasserzähler, Regenwassernutzung und sensorgesteuerte Bewässerung.
Wo findet das Projekt statt?
In einem Quartier der Bremer Wohnungsgesellschaft GEWOBA in Gartenstadt Süd mit 265 Wohnungen.
Wie viel Wasser verbraucht ein Mensch in Deutschland pro Tag?
Laut Statistischem Bundesamt waren es 2022 im Schnitt 126 Liter je Einwohner und Tag, der BDEW nennt für 2024 einen Wert von 122 Litern.
Wofür wird im Haushalt am meisten Wasser verbraucht?
Für Körperpflege mit 36 Prozent und die Toilettenspülung mit 27 Prozent. Wäsche macht 12 Prozent aus, Essen und Trinken nur 4 Prozent.
Wann gibt es Ergebnisse?
Die zweite Projektphase läuft bis Ende 2028. Dann sollen Wasserersparnis, CO2-Minderung und Wirtschaftlichkeit bewertet sein.
Quellen
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