Serielles Bauen: Fertigbauquote steigt auf 26,7 Prozent

Mehr als jedes vierte neue Ein- und Zweifamilienhaus wird vorgefertigt: 26,7 % im ersten Halbjahr 2026. Zahlen, Regionen, Kosten und Sicht des Baugewerbes.

Zweigeschossiger Rohbau eines Hauses in Holzrahmenbauweise mit beplankten Wandelementen
Foto: D Goug / Pexels
Kurz & knappStand Oktober 2026
  • Im ersten Halbjahr 2026 lag der Fertigbauanteil bei genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern bei 26,7 %.
  • 2025 wurden 13.473 Fertighäuser genehmigt, 16,7 % mehr als im Vorjahr und 26,5 % aller Ein- und Zweifamilienhäuser.
  • Um das Jahr 2000 lag der Anteil noch bei rund 13 %, die Marke von 20 % wurde erstmals 2019 überschritten.
  • In der GdW-Rahmenvereinbarung kosten serielle Mehrfamilienhäuser 2.370 bis 4.370 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.
  • Der ZDB sieht serielles Bauen als wichtigen Baustein, aber nicht als Königsweg für den Wohnungsbau.
Inhalt · 5 Abschnitte
  1. Wie verbreitet ist serielles Bauen in Deutschland?
  2. Wie hat sich der Fertigbau in der Baukrise geschlagen?
  3. Wo wird besonders oft vorgefertigt gebaut?
  4. Was kostet serielles Bauen im Mehrfamilienhaus?
  5. Was sagt das Baugewerbe zum seriellen Bauen?

Wie verbreitet ist serielles Bauen in Deutschland?

Vorgefertigtes Bauen gewinnt weiter Marktanteile. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 27.838 Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt, 7.432 davon in Fertigbauweise. Das entspricht einem Anteil von 26,7 Prozent, so viel wie nie zuvor. Im Gesamtjahr 2025 lag die Quote bei 26,5 Prozent. Der Trend in einem Satz: Die Vorfertigung wächst schneller als der Markt und hat ihren Anteil seit 2000 etwa verdoppelt.

Die Zahlen stammen vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF), der sie aus der amtlichen Baugenehmigungsstatistik auswertet. Erfasst werden Häuser, deren tragende Teile überwiegend im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle montiert werden. Serielles und modulares Bauen im engeren Sinn, also wiederholbare Gebäudetypen bis hin zu fertigen Raummodulen, ist ein Teil dieses Marktes.

Zeitraum Fertigbauanteil an genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern
um 2000 rund 13 %
2019 erstmals über 20 %
2025 26,5 %
1. Halbjahr 2026 26,7 %

Bemerkenswert ist das Tempo im Vergleich zum Gesamtmarkt. Im Jahr 2025 stieg die Zahl aller genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser um 14,6 Prozent auf 50.755. Die Fertighäuser legten mit 16,7 Prozent auf 13.473 stärker zu. Im ersten Halbjahr 2026 wiederholte sich das Muster: Die Genehmigungen für Fertighäuser wuchsen um 16,9 Prozent, der Gesamtmarkt um 14,5 Prozent.

Kennzahl 2025 1. Halbjahr 2026
Genehmigte Ein- und Zweifamilienhäuser 50.755 27.838
davon Fertighäuser 13.473 7.432
Fertigbauquote 26,5 % 26,7 %
Wachstum Fertighäuser zum Vorjahr +16,7 % +16,9 %
Wachstum Gesamtmarkt zum Vorjahr +14,6 % +14,5 %

BDF-Präsident Mathias Schäfer sagte im März, der Fertigbau komme schneller aus der Baukrise. Die Zahlen des ersten Halbjahrs 2026 stützen diese Einschätzung, auch wenn der Abstand zum Gesamtmarkt mit gut zwei Prozentpunkten beim Wachstum überschaubar bleibt.

Wie hat sich der Fertigbau in der Baukrise geschlagen?

Auch der Fertigbau ist in der Baukrise geschrumpft, aber weniger stark als die konventionelle Bauweise. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2024 rund 16.900 Wohngebäude in Fertigteilbauweise fertiggestellt, 15,5 Prozent weniger als 2023. Bei konventionell errichteten Wohngebäuden betrug das Minus 23 Prozent. Vorgefertigte Einfamilienhäuser gingen um 14,9 Prozent auf 14.300 zurück, konventionelle um 24,3 Prozent auf 40.100.

Fertiggestellte Gebäude 2024 Anzahl Veränderung zu 2023
Wohngebäude in Fertigteilbauweise rund 16.900 −15,5 %
Einfamilienhäuser in Fertigteilbauweise rund 14.300 −14,9 %
Einfamilienhäuser konventionell rund 40.100 −24,3 %
Wohngebäude konventionell – −23 %

Auch bei den Preisen gab es Unterschiede. Fertighäuser wurden 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur um 0,5 Prozent teurer, konventionell gebaute Einfamilienhäuser um 2,9 Prozent. Über einen längeren Zeitraum sind beide Bauweisen allerdings deutlich teurer geworden.

Der Hintergrund ist eine schwache Fertigstellung im gesamten Wohnungsbau. 2025 wurden in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertig, 18 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit 2012 nicht mehr. Gleichzeitig dauerte es im Schnitt 27 Monate von der Genehmigung bis zur Fertigstellung, nach 20 Monaten im Jahr 2020. Genau an dieser Stelle setzt die Vorfertigung an: Wer Wände, Decken oder ganze Module im Werk baut, verkürzt die Zeit auf der Baustelle und ist weniger vom Wetter abhängig. Mehr zur Lage der Branche lesen Sie in unserem Ratgeber zur Bauwirtschaft.

Wo wird besonders oft vorgefertigt gebaut?

Der Fertigbau ist im Süden und Südwesten am stärksten. Baden-Württemberg kam im ersten Halbjahr 2026 auf einen Fertigbauanteil von 44,7 Prozent, fast jedes zweite genehmigte Ein- und Zweifamilienhaus wird dort vorgefertigt. Bayern verzeichnete mit 2.020 Häusern die meisten Fertighaus-Genehmigungen, Nordrhein-Westfalen kam auf 24,2 Prozent. Auch in Großstädten wie Berlin und Augsburg ist der Anteil inzwischen hoch.

Im Gesamtjahr 2025 überschritt der Fertigbau in 259 von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten die Marke von 20 Prozent. In 146 Kreisen lag der Anteil über 30 Prozent, in 64 Kreisen bei 40 Prozent oder mehr. 47 dieser 64 Kreise liegen in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. Augsburg erreichte mit 221 genehmigten Fertighäusern einen Anteil von 46,9 Prozent.

Region Kennzahl Zeitraum
Baden-Württemberg 44,7 % Fertigbauanteil 1. Halbjahr 2026
Nordrhein-Westfalen 24,2 % Fertigbauanteil 1. Halbjahr 2026
Bayern 2.020 genehmigte Fertighäuser 1. Halbjahr 2026
Augsburg 46,9 % (221 Häuser) 2025
Kreise mit mehr als 20 % 259 von 400 2025
Kreise mit 40 % und mehr 64 2025

Die regionale Verteilung deckt sich mit dem Holzbau, denn ein großer Teil der Fertighäuser wird in Holztafelbauweise errichtet. Warum der Süden traditionell mehr mit Holz baut und wie sich die Holzbauquote entwickelt, erklärt unser Baustoffe-Ratgeber.

Was kostet serielles Bauen im Mehrfamilienhaus?

Für den Geschosswohnungsbau gibt die Rahmenvereinbarung Serielles und modulares Bauen 2.0 des Wohnungsverbands GdW die beste Orientierung. In der europaweiten Ausschreibung reichten 20 Bieter 25 Gebäudekonzepte ein. Die angebotenen Baukosten lagen zwischen 2.370 und 4.370 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, im Median unter 3.000 Euro. Die Preise sind über die Laufzeit nur nach festgelegten Indizes anpassbar.

Die Rahmenvereinbarung funktioniert wie ein Katalog. Wohnungsunternehmen können geprüfte Typengebäude abrufen, ohne für jedes Projekt eine eigene Ausschreibung zu starten. Das spart Zeit bei Planung und Vergabe. Die Preise stammen aus der Ausschreibung von 2023 und spiegeln deshalb nicht die Baupreissteigerungen der letzten Jahre wider. Die vereinbarten Preisgleitklauseln sorgen dafür, dass sie an Material- und Baupreisindizes angepasst werden.

GdW-Rahmenvereinbarung 2.0 Wert
Bieter und Bietergemeinschaften 20
Gebäudekonzepte 25
Baukosten je m² Wohnfläche, Spanne 2.370 bis 4.370 Euro
Baukosten, Median unter 3.000 Euro
Laufzeit 5 Jahre

Auch der Staat setzt auf Serie. Die Bundeswehr will rund 300 Kasernengebäude in serieller Bauweise errichten lassen, wie wir im Beitrag zum Kasernenbau in Serie berichtet haben. Solche Großprogramme bieten genau die Wiederholung, die serielle Verfahren wirtschaftlich macht.

Was sagt das Baugewerbe zum seriellen Bauen?

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) sieht im seriellen und modularen Bauen großes Potenzial für günstigeres und schnelleres Bauen, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. In seinem Positionspapier vom September 2026 nennt der Verband die Bauweise einen wichtigen Baustein, aber ausdrücklich keinen Königsweg. Sie werde den konventionellen Wohnungsbau nicht ersetzen und auch künftig nur einen Teil des Marktes abdecken.

Als Grund nennt der ZDB den nötigen Serienfaktor. Wirtschaftlich lohnt sich serielles Bauen vor allem, wenn Planungslösungen mehrfach angewendet werden können. Grundstücke, Erschließung und städtebauliche Vorgaben sind aber selten identisch, gerade in Ballungsräumen mit knappen Flächen. Ähnliche Grenzen sieht der Verband bei der seriellen Sanierung, weil sich nicht jedes Bestandsgebäude für standardisierte Lösungen eignet.

Der Verband unterscheidet außerdem zwischen vorgefertigten Bauteilen und echtem seriellem Bauen. Vorgefertigte Wand-, Decken- und Fassadenelemente seien längst Alltag, komplette serielle Systeme deutlich seltener. Viele mittelständische Betriebe haben keine eigenen Fertigungsanlagen und beziehen Elemente von spezialisierten Werken. Der ZDB stellt vier Forderungen auf:

  1. Typengenehmigungen und standardisierte Verfahren weiterentwickeln, damit wiederverwendbare Planungen leichter genehmigt werden.
  2. Technologieoffenheit sichern, also keine Bevorzugung einzelner Baustoffe oder Produktionssysteme.
  3. Mittelstand einbinden, damit kleine und mittlere Betriebe an seriellen Wertschöpfungsketten teilhaben, von Planung über Montage bis zum Ausbau.
  4. Kostengünstiges Bauen umfassend betrachten: einfachere Standards, schnellere Genehmigungen und weniger unnötige Anforderungen seien genauso wichtig wie die Bauweise.

Die Zahlen bestätigen beide Seiten der Debatte. Die Vorfertigung wächst seit Jahren und gewinnt in der Krise Anteile, vor allem bei Einfamilienhäusern. Im Geschosswohnungsbau, wo der Wohnraummangel am größten ist, bleibt sie dagegen eine Ergänzung. Ob serielle Mehrfamilienhäuser den Durchbruch schaffen, hängt nach Einschätzung des Baugewerbes vor allem von Genehmigungsrecht und Standards ab (Stand: Oktober 2026). Aktuelle Meldungen zu Konjunktur und Verbänden finden Sie im Ressort Bauwirtschaft.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Fertigbauquote 2026?

Im ersten Halbjahr 2026 lag sie bei genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern bei 26,7 Prozent. Das ist ein Rekordwert.

Was ist der Unterschied zwischen seriellem und modularem Bauen?

Beim seriellen Bauen werden wiederholbare Gebäudetypen und vorgefertigte Elemente wie Wände und Decken eingesetzt. Beim modularen Bauen entstehen ganze Raummodule im Werk, die auf der Baustelle zusammengesetzt werden.

Ist serielles Bauen günstiger?

Es kann günstiger sein, wenn ein ausreichender Serienfaktor erreicht wird. In der GdW-Rahmenvereinbarung lagen die Baukosten im Median unter 3.000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

In welchem Bundesland werden die meisten Fertighäuser gebaut?

Den höchsten Anteil hat Baden-Württemberg mit 44,7 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Die meisten Fertighäuser in absoluten Zahlen wurden in Bayern genehmigt.

Quellen

  1. ZDB-Baustein 83/2026: Serielles und modulares BauenZentralverband Deutsches Baugewerbe · abgerufen 06.10.2026
  2. Gute Baugenehmigungszahlen für Fertighäuser – Fertigbau wird auch in Städten beliebterBundesverband Deutscher Fertigbau · abgerufen 06.10.2026
  3. Fertigbau kommt schneller aus der BaukriseBundesverband Deutscher Fertigbau · abgerufen 06.10.2026
  4. 2024 wurden 15,5 % weniger Wohngebäude aus Fertigteilen errichtet als 2023Statistisches Bundesamt · abgerufen 06.10.2026
  5. 18,0 % weniger fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2025Statistisches Bundesamt · abgerufen 06.10.2026
  6. Mehr Tempo für bezahlbares Wohnen: Rahmenvereinbarung Serielles und modulares Bauen 2.0GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen · abgerufen 06.10.2026

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