Bauwirtschaft 2026: Der große Ratgeber zu Markt, Zahlen und Trends

Bauvolumen 568,6 Mrd. Euro, Umsatz +4,6 %, Prognose +1,7 %: Der Ratgeber erklärt Struktur, Konjunktur, Baupreise, Sondervermögen und Bau-Turbo.

Große Baustelle mit mehreren Baukränen und Baumaschinen aus erhöhter Perspektive
Foto: Саша Ромадин / Pexels
Kurz & knappStand Oktober 2026
  • Für 2026 rechnet das DIW mit einem nominalen Bauvolumen von 568,6 Mrd. Euro, real 1,7 % mehr als 2025.
  • Das Bauhauptgewerbe setzte 2025 nominal 120,5 Mrd. Euro um, ein Rekord und real 2,4 % mehr als im Vorjahr.
  • Im Juli 2026 lag der reale Umsatz 4,6 % über dem Vorjahr, die Aufträge aber 1,9 % darunter.
  • Der öffentliche Bau wächst dank des 500-Mrd.-Euro-Sondervermögens am stärksten, der Wirtschaftsbau stagniert.
  • Rund 2,3 Mio. Menschen arbeiten im Baugewerbe, davon etwa 58 % im Ausbaugewerbe.
Inhalt · 7 Abschnitte
  1. Was umfasst die Bauwirtschaft in Deutschland?
  2. Wie groß ist die Bauwirtschaft 2026?
  3. Wie läuft die Baukonjunktur aktuell?
  4. Welche Prognosen gelten für 2026 und 2027?
  5. Wie entwickeln sich Baupreise und Baukosten?
  6. Welche Rolle spielen Sondervermögen und Bau-Turbo?
  7. Wie stabil sind Betriebe und Arbeitsmarkt am Bau?

Was umfasst die Bauwirtschaft in Deutschland?

Die Bauwirtschaft umfasst alle Unternehmen, die Bauwerke planen, errichten, erhalten und modernisieren. Dazu gehören das Bauhauptgewerbe mit Hoch- und Tiefbau, das Ausbaugewerbe mit Installation und Innenausbau sowie Zulieferer wie Fertigbau und Stahlbau. Zusammen erbrachten sie 2024 Bauleistungen von rund 534 Milliarden Euro. Mit knapp 2,3 Millionen Beschäftigten zählt die Branche zu den größten Arbeitgebern des Landes.

Wer über die Bauwirtschaft spricht, meint je nach Zusammenhang unterschiedliche Abgrenzungen. Für das Verständnis von Statistiken, Prognosen und Branchenmeldungen helfen einige Begriffe:

  • Bauhauptgewerbe: Betriebe des Hochbaus (Wohn-, Gewerbe- und öffentliche Gebäude) und des Tiefbaus (Straßen, Brücken, Leitungen, Kanäle) einschließlich Bauträgern. Hier entstehen Rohbau und Infrastruktur.
  • Ausbaugewerbe: Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallateure, Maler, Fliesenleger, Trockenbauer, Dachdecker und andere Gewerke, die Gebäude ausstatten und modernisieren.
  • Bauvolumen: Die Summe aller Leistungen, die auf Herstellung und Erhaltung von Bauwerken gerichtet sind, einschließlich Planung, Gebühren und Reparaturen. Das DIW Berlin berechnet es im Auftrag des BBSR.
  • Bauinvestitionen: Die Größe aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung; sie enthält im Unterschied zum Bauvolumen keine nicht werterhöhenden Reparaturen.

Das Bauvolumen verteilt sich auf mehrere Produzentengruppen. Das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe tragen jeweils etwa ein Drittel bei, der Rest entfällt auf Branchen außerhalb des engeren Bausektors.

Produzentengruppe (2024) Bauvolumen Anteil
Bauhauptgewerbe (Hoch- und Tiefbau, Bauträger) 179,1 Mrd. Euro 33,5 %
Ausbaugewerbe (Installation, Ausbau, vorbereitende Arbeiten) 171,4 Mrd. Euro 32,1 %
Bauplanung, öffentliche Gebühren, Makler, Notar, Grunderwerbsteuer 65,8 Mrd. Euro 12,3 %
Sonstige Bauleistungen (Eigenleistungen, Reparaturen der Unternehmen) 81,2 Mrd. Euro 15,2 %
Verarbeitendes Gewerbe (Stahl- und Leichtmetallbau, Fertigbau) 36,8 Mrd. Euro 6,9 %
Bauvolumen insgesamt 534,3 Mrd. Euro 100 %

Die Aufteilung erklärt, warum Meldungen über die Bauwirtschaft oft widersprüchlich wirken. Das Bauhauptgewerbe hängt stark am Neubau und an öffentlichen Infrastrukturaufträgen und reagiert deshalb schnell auf Zinsen und Haushaltsentscheidungen. Das Ausbaugewerbe lebt dagegen überwiegend von Arbeiten an bestehenden Gebäuden, etwa Heizungstausch, Badsanierung oder Dämmung. Es schwankt deshalb weniger. Im Jahr 2024 nahm die Beschäftigung im Ausbaugewerbe sogar noch leicht zu, während sie im Bauhauptgewerbe sank.

Für Leserinnen und Leser von Konjunkturmeldungen ist außerdem wichtig, welche Betriebe erfasst sind. Die monatlichen Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Bauhauptgewerbe beziehen sich auf Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten. Branchenverbände rechnen dagegen häufig auf alle Betriebe hoch. Deshalb nennt das Statistische Bundesamt für 2025 einen Umsatz von 120,5 Milliarden Euro, der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes dagegen rund 172 Milliarden Euro. Beide Zahlen sind richtig, sie messen nur unterschiedlich große Ausschnitte der Branche.

Wer liefert Zahlen und Einschätzungen?

Wer die Lage am Bau verfolgen will, stößt immer wieder auf dieselben Absender. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht monatlich Auftragseingang, Umsatz und Beschäftigte im Bauhauptgewerbe, außerdem Baugenehmigungen, Baupreise und Insolvenzen. Das BBSR lässt einmal im Jahr das Bauvolumen und seine Prognose berechnen und ordnet die Entwicklung in einem Bericht ein. Hinzu kommen die Wirtschaftsforschungsinstitute mit ihren Konjunkturprognosen.

Die Branche selbst spricht vor allem über zwei Verbände. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie vertritt eher größere Unternehmen des Hoch- und Tiefbaus, der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes die mittelständischen und handwerklichen Betriebe. Beide veröffentlichen eigene Prognosen und Umfragen unter ihren Mitgliedern. Diese Einschätzungen sind wertvoll, weil sie früher kommen als amtliche Daten. Sie verfolgen aber auch Interessen gegenüber der Politik, etwa bei Förderprogrammen, Vergaberecht oder Haushaltsmitteln. Wer Verbandsprognosen liest, sollte sie deshalb mit den amtlichen Zahlen abgleichen.

Für die Einordnung einzelner Meldungen hilft eine einfache Faustregel. Monatswerte schwanken stark, weil einzelne Großaufträge im Tiefbau ganze Monate prägen können. Verlässlicher sind Dreimonatsvergleiche, Werte für das laufende Jahr und Jahresdurchschnitte. Außerdem lohnt der Blick darauf, ob eine Zahl nominal oder real angegeben ist: Bei Baupreissteigerungen von drei bis fünf Prozent kann ein nominales Umsatzplus real fast vollständig verschwinden.

Wie groß ist die Bauwirtschaft 2026?

Für 2026 erwartet das DIW Berlin ein nominales Bauvolumen von 568,6 Milliarden Euro, 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Den größten Anteil hat mit 318,8 Milliarden Euro der Wohnungsbau, gefolgt vom Wirtschaftsbau mit 142,1 Milliarden und dem öffentlichen Bau mit 107,8 Milliarden Euro. Real, also nach Abzug der Preissteigerungen, entspricht das einem Plus von 1,7 Prozent.

Die Prognose stammt aus dem Bericht zur Lage und Perspektive der Bauwirtschaft 2026, den das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) veröffentlicht hat. Die Werte sind in jeweiligen Preisen angegeben, die Prozentangaben beschreiben die nominale Veränderung gegenüber 2025.

Baubereich (Prognose 2026) Bauvolumen nominal Veränderung zum Vorjahr
Wohnungsbau insgesamt 318,8 Mrd. Euro +3,8 %
davon Neubau 71,1 Mrd. Euro +5,4 %
davon Bestandsleistungen 247,6 Mrd. Euro +3,3 %
Wirtschaftsbau insgesamt 142,1 Mrd. Euro +1,7 %
davon gewerblicher Hochbau 106,1 Mrd. Euro +1,2 %
davon gewerblicher Tiefbau 35,9 Mrd. Euro +3,2 %
Öffentlicher Bau insgesamt 107,8 Mrd. Euro +10,4 %
davon öffentlicher Hochbau 26,0 Mrd. Euro +2,5 %
davon öffentlicher Tiefbau 81,8 Mrd. Euro +13,2 %
Bauvolumen insgesamt 568,6 Mrd. Euro +4,4 %

Auffällig ist das Verhältnis von Neubau und Bestand. Im Wohnungsbau entfallen nur rund 22 Prozent des Volumens auf neue Gebäude, fast 78 Prozent auf Arbeiten an bestehenden Häusern und Wohnungen. Mitte der 1990er-Jahre machte der Neubau noch fast die Hälfte des Wohnungsbaus aus. Der Gebäudebestand ist damit der eigentliche Motor der Branche. Allein energetische Sanierungen an Wohn- und Nichtwohngebäuden summierten sich 2024 auf fast 110 Milliarden Euro.

Innerhalb der Bestandsleistungen dominieren Teilmodernisierungen. Im Wohnungsbau gehören 78 Prozent der Bestandsmaßnahmen zu dieser Gruppe, im Nichtwohnbau 55 Prozent. Gemeint sind Arbeiten, bei denen nur einzelne Bauteile erneuert werden, etwa Fenster, Heizung oder Dach, statt das ganze Gebäude zu sanieren. Wie sich etwa eine neue Heizung im Altbau rechnet, zeigt unser Beitrag zur Wärmepumpe im Altbau mit Kosten und Förderung.

Trotz des Wachstums bleibt die Bautätigkeit unter früheren Werten. Seit 2020 ist das reale Bauvolumen nach Berechnungen des DIW um rund 15 Prozent gesunken, 2025 war das fünfte Minusjahr in Folge. Fast alle Bereiche bleiben laut Prognose auch 2027 unter dem Niveau von 2020. Nur der öffentliche Bau soll dieses Niveau dank des Sondervermögens wieder erreichen.

Wie läuft die Baukonjunktur aktuell?

Die Baukonjunktur erholt sich 2026 langsam, aber ungleichmäßig. Im Juli 2026 lag der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe 4,6 Prozent über dem Vorjahresmonat, nominal stieg er um 9,4 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Die Auftragseingänge fielen dagegen real um 1,9 Prozent unter den Vorjahreswert und gegenüber Juni um 9,2 Prozent. Der Tiefbau entwickelt sich dabei stärker als der Hochbau.

Ein einzelner Monat sagt bei Bauaufträgen wenig aus, weil Großprojekte die Zahlen stark verschieben. Aussagekräftiger ist der Dreimonatsvergleich: Von Mai bis Juli 2026 lagen die bereinigten Aufträge 2,7 Prozent über den drei Monaten davor. Dahinter steckt ein Plus von 7,6 Prozent im Tiefbau und ein Minus von 2,7 Prozent im Hochbau.

Kennzahl Bauhauptgewerbe Juli 2026 Veränderung
Auftragseingang real, zum Vormonat – −9,2 %
Auftragseingang real, zum Vorjahresmonat – −1,9 %
Auftragseingang, Mai bis Juli zu Februar bis April – +2,7 %
Umsatz nominal 12,1 Mrd. Euro +9,4 % zum Vorjahr
Umsatz real – +4,6 % zum Vorjahr
Beschäftigte (Betriebe ab 20 Personen) rund 545.000 +1,5 % zum Vorjahr

Das Jahr 2025 markierte die Trendwende. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe stieg real um 2,4 Prozent und damit erstmals seit 2020. Nominal erreichte er mit 120,5 Milliarden Euro einen Höchststand. Die Auftragseingänge legten real um 6,8 Prozent zu, nominal auf 113,0 Milliarden Euro. Der Tiefbau kam auf 61,7 Milliarden Euro Umsatz, der Hochbau auf 57,4 Milliarden Euro. Damit hat der Tiefbau den Hochbau beim Umsatz überholt.

Bauhauptgewerbe 2025 Veränderung real zu 2024
Umsatz insgesamt 120,5 Mrd. Euro +2,4 %
Umsatz Tiefbau 61,7 Mrd. Euro +5,8 %
Umsatz Hochbau 57,4 Mrd. Euro −0,8 %
Auftragseingang 113,0 Mrd. Euro +6,8 %
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt 540.000 +1,1 %

Baugenehmigungen als Frühindikator

Für den Wohnungsbau sind Baugenehmigungen der wichtigste Frühindikator, weil zwischen Genehmigung und Baubeginn meist einige Monate liegen. Von Januar bis Juli 2026 wurden 148.800 Wohnungen genehmigt, 12,9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Bei Mehrfamilienhäusern betrug das Plus 15,1 Prozent, bei Einfamilienhäusern 9,7 Prozent. Im Juli selbst fiel der Anstieg mit 1,9 Prozent auf 22.500 Wohnungen allerdings deutlich kleiner aus.

Genehmigte Wohnungen Januar bis Juli 2026 Anzahl Veränderung zum Vorjahr
Einfamilienhäuser 27.900 +9,7 %
Zweifamilienhäuser 8.900 +25,0 %
Mehrfamilienhäuser 79.700 +15,1 %
Umbau bestehender Gebäude 24.900 +8,9 %
Insgesamt 148.800 +12,9 %

Vom Niveau früherer Jahre ist der Wohnungsbau trotzdem weit entfernt. 2021 wurden 370.500 Wohnungen genehmigt, 2024 nur noch 209.500. Im Jahr 2025 stieg die Zahl auf 233.300. Wie lange Genehmigungsverfahren in den einzelnen Ländern dauern, erklärt unser Beitrag Wie lange dauert eine Baugenehmigung?.

Welche Prognosen gelten für 2026 und 2027?

Die meisten Institute erwarten für 2026 ein reales Wachstum der Bauinvestitionen zwischen 0,9 und 2,0 Prozent und für 2027 eine deutlichere Belebung. Das DIW Berlin rechnet beim Bauvolumen mit plus 1,7 Prozent in 2026 und plus 3,4 Prozent in 2027. Die Bauindustrie hat ihre Umsatzprognose für 2026 im August dagegen auf real plus 1,0 Prozent gesenkt.

Die folgende Übersicht stammt aus dem BBSR-Bericht und zeigt die erwartete reale Veränderung der Bauinvestitionen gegenüber dem Vorjahr. Die Prognosen wurden zwischen September 2025 und Anfang 2026 erstellt, also vor den Kostensteigerungen im Frühjahr 2026.

Institut 2025 2026 2027
Gemeinschaftsdiagnose der Forschungsinstitute −1,7 % +1,7 % +2,3 %
Sachverständigenrat −2,3 % +2,0 % –
Bundesregierung (Herbstprojektion) −1,0 % +1,5 % +3,7 %
IW Köln −1,4 % +0,9 % –
ifo Institut −1,2 % +1,7 % –
DIW Berlin −1,9 % +1,9 % +3,4 %

Wohnungsbau: Talsohle erreicht

Im Wohnungsneubau sieht das DIW den Tiefpunkt im Jahr 2025. Nach einem realen Rückgang von 6,4 Prozent soll das Neubauvolumen 2026 um 2,4 Prozent und 2027 um 6,1 Prozent wachsen. Die Bestandsmaßnahmen im Wohnungsbau wirken stabilisierend und sollen 2026 real um 0,5 Prozent zulegen. Als Treiber nennt der Bericht die steigende CO2-Bepreisung, die energetische Sanierungen attraktiver macht, und Förderprogramme.

Die Bauindustrie ist vorsichtiger geworden. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie erwartet im Wohnungsbau für 2026 nur noch ein reales Plus von 0,5 Prozent, nachdem er im Januar noch 2 Prozent vorhergesagt hatte. Als Gründe nennt der Verband einen schwachen Frühling, höhere Baukosten und einen langsamen Mittelabfluss aus dem Sondervermögen.

Wirtschaftsbau: Stagnation bis 2027

Der Wirtschaftsbau leidet unter der schwachen Konjunktur, höheren Zinsen und der US-Zollpolitik, die die exportorientierte Industrie bremst. Neue Fabrik- und Lagerhallen werden deshalb seltener gebaut. Das DIW erwartet für 2026 Stagnation und erst 2027 ein Plus von 2,7 Prozent. Positive Impulse kommen aus dem gewerblichen Tiefbau: Stromnetze für die Energiewende und der Breitbandausbau sorgen dort für Aufträge.

Öffentlicher Bau: Wachstumsmotor

Am stärksten wächst der öffentliche Bau. Für 2026 und 2027 erwartet das DIW jeweils ein reales Plus von 6,7 Prozent. Profitieren dürfte vor allem der Tiefbau mit Straßen, Brücken und Schienen. Der öffentliche Hochbau bleibt dagegen schwach, weil viele Kommunen knapp bei Kasse sind. Dabei ist der Bedarf groß: Der Investitionsrückstand der kommunalen Infrastruktur lag 2024 bei über 215 Milliarden Euro. Kommunen stehen für rund 57 Prozent des öffentlichen Bauvolumens.

Die Stimmung in den Unternehmen ist gemischt. In einer Umfrage der Bauindustrie erwarteten im Sommer 2026 jeweils 30 Prozent der Mitgliedsunternehmen steigende beziehungsweise sinkende Umsätze. Nur 13 Prozent rechneten mit höheren Gewinnen, 43 Prozent mit Einbußen. Drei Viertel gaben an, gestiegene Kosten nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben zu können. Mehr Umsatz bedeutet am Bau also nicht automatisch mehr Ertrag.

Wie entwickeln sich Baupreise und Baukosten?

Baupreise steigen weiter, aber deutlich langsamer als in den Krisenjahren 2022 und 2023. Für neue Wohngebäude lag der Anstieg 2024 bei 2,9 Prozent und 2025 bei 3,2 Prozent, nach 16,3 und 8,4 Prozent in den beiden Jahren davor. Im Mai 2026 beschleunigte sich der Anstieg allerdings wieder auf 5,0 Prozent zum Vorjahr, getrieben von Energie, Metallen und Holz.

Jahr Baupreise neue Wohngebäude, Veränderung zum Vorjahr
2022 +16,3 %
2023 +8,4 %
2024 +2,9 %
2025 +3,2 %
Mai 2026 +5,0 %

Der wichtigste dauerhafte Preistreiber sind die Löhne. Kiel Economics erwartet im Auftrag des BBSR für die Lohnkosten im Baugewerbe ein Plus von 6,4 Prozent im Jahr 2025, gefolgt von 1,7 Prozent 2026 und 2,2 Prozent 2027. Weil die Arbeitsproduktivität am Bau seit 2021 deutlich gesunken ist, schlagen höhere Löhne fast unmittelbar auf die Preise durch. Für 2026 rechnet die Prognose mit Baupreissteigerungen von 2,7 Prozent, danach mit 2,8 und 2,7 Prozent. Die aktuellen Monatswerte liegen also über diesem Pfad.

Zwischen den Gewerken gibt es große Unterschiede. 2024 und 2025 stiegen die Preise für Rohbauarbeiten jeweils um gut 2,5 Prozent, für Ausbauarbeiten um 3,8 Prozent. Heizungsanlagen verteuerten sich um 4,4 Prozent, Elektro-, Sicherheits- und Informationstechnik sogar um 5,4 Prozent. Technisch aufwendige Gewerke werden also schneller teurer als der klassische Rohbau.

Bei den Baustoffen selbst ist das Bild noch uneinheitlicher. Bitumen, Flachglas und Holz legten zuletzt zweistellig zu, Zement und Dachziegel blieben fast stabil. Eine ausführliche Übersicht mit Tabellen zu Stahl, Holz, Beton und weiteren Materialien finden Sie im Beitrag Baustoffpreise aktuell.

Was Bauherren daraus ableiten können

Für private Bauherren und Eigentümer ergeben sich aus den Preisdaten einige praktische Regeln:

  1. Kostenschätzungen aktualisieren: Eine Kalkulation aus dem Vorjahr kann bei 5 Prozent Preissteigerung schnell um mehrere zehntausend Euro danebenliegen.
  2. Festpreise vereinbaren: Klar beschriebene Leistungen mit festen Preisen begrenzen das Risiko; Preisgleitklauseln sollten Sie vor der Unterschrift genau prüfen.
  3. Puffer einplanen: Eine Reserve von 10 bis 15 Prozent der Bausumme für Nachträge und Preisänderungen ist bei Sanierungen kein Luxus.
  4. Gewerke vergleichen: Weil die Preise je Gewerk unterschiedlich steigen, lohnen mehrere Angebote besonders bei Heizung, Elektro und Dach.
  5. Förderung prüfen: Zuschüsse und Kredite für Effizienzmaßnahmen gleichen einen Teil der Mehrkosten aus; Details sammelt das Ressort Energie & Sanierung.

Für Betriebe gilt umgekehrt: Wer Angebote mit langer Bindefrist abgibt, trägt das Preisrisiko für Material und Energie. Viele Unternehmen verkürzen deshalb die Bindefristen oder vereinbaren Stoffpreisgleitklauseln, besonders bei Stahl, Bitumen und Holz.

Welche Rolle spielen Sondervermögen und Bau-Turbo?

Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und der Bau-Turbo sind die beiden wichtigsten politischen Hebel für die Bauwirtschaft. Das Sondervermögen stellt über zwölf Jahre 500 Milliarden Euro für Investitionen bereit, vor allem in Verkehrswege, Energie und Digitalisierung. Der Bau-Turbo nach Paragraf 246e Baugesetzbuch erlaubt Gemeinden seit dem 30. Oktober 2025, Wohnungsbau ohne neuen Bebauungsplan zuzulassen.

Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität

Von den 500 Milliarden Euro entfallen 300 Milliarden auf den Bund, 100 Milliarden auf Länder und Kommunen und weitere 100 Milliarden auf den Klima- und Transformationsfonds. Im ersten Jahr 2025 flossen nach vorläufigem Abschluss des Bundesfinanzministeriums rund 24 Milliarden Euro ab. Der größte Teil ging in die Verkehrsinfrastruktur.

Bereich (Mittelabfluss 2025) Betrag
Verkehrsinfrastruktur 10.363 Mio. Euro
Klima- und Transformationsfonds 10.000 Mio. Euro
Digitalisierung 1.509 Mio. Euro
Krankenhausinfrastruktur 1.500 Mio. Euro
Energieinfrastruktur 371 Mio. Euro
Forschung und Entwicklung 201 Mio. Euro
Wohnungsbau 37 Mio. Euro
Länder und Kommunen 0 Mio. Euro

Die Tabelle zeigt, wo das Geld bisher ankommt und wo nicht. Der Wohnungsbau erhielt 2025 gerade einmal 37 Millionen Euro, die Länder und Kommunen noch gar nichts, weil ihre Verwaltungsvereinbarung erst im Dezember 2025 stand. Für Tiefbauunternehmen, die an Straßen, Brücken und Schienen arbeiten, ist das Sondervermögen dagegen schon heute ein spürbarer Auftragsfaktor. Die Bauindustrie kritisierte im Sommer 2026 dennoch, dass die Mittel insgesamt zu langsam abfließen. Aktuelle Entwicklungen zu Verkehrswegen und Leitungsbau sammeln wir im Ressort Tiefbau & Infrastruktur.

Bau-Turbo nach Paragraf 246e BauGB

Der Bau-Turbo ist eine befristete Sonderregel im Baugesetzbuch. Sie erlaubt Gemeinden, beim Wohnungsbau von den Vorgaben des Bauplanungsrechts abzuweichen, ohne zuvor einen Bebauungsplan aufzustellen oder zu ändern. Die Gemeinde muss zustimmen und hat dafür bis zu drei Monate Zeit. Genehmigungen auf dieser Grundlage müssen bis zum 31. Dezember 2030 erteilt sein; vorher wird die Regel bewertet.

Für Bauherren und Projektentwickler bedeutet das: Aufstockungen, Nachverdichtungen und neue Wohngebäude auf Flächen ohne passenden Bebauungsplan können deutlich schneller zulässig werden. Ein Anspruch auf Zustimmung besteht aber nicht. Die Gemeinde entscheidet im Rahmen ihrer Planungshoheit und muss öffentliche Belange und Nachbarinteressen berücksichtigen. Wie der Bau-Turbo in der Praxis wirkt, zeigen erste Projekte in mehreren Städten, über die wir im Ressort Recht & Förderung berichten.

Weitere Stellschrauben

Neben Geld und Planungsrecht beeinflussen weitere Faktoren die Branche. Serielles und modulares Bauen soll Kosten und Bauzeiten senken; ein Beispiel ist das Programm der Bundeswehr, die rund 300 Gebäude in Serie errichten will, beschrieben im Beitrag zum Kasernenbau in Serie. Auch das Gebäudeenergiegesetz und die CO2-Bepreisung steuern, wie viel in Bestandsgebäude investiert wird.

Wie stabil sind Betriebe und Arbeitsmarkt am Bau?

Der Arbeitsmarkt am Bau ist trotz der Krise robust, die Zahl der Insolvenzen aber hoch. Im Bauhauptgewerbe arbeiteten 2025 rund 923.000 Menschen, etwas mehr als im Vorjahr. Die Bauindustrie erwartet für 2026 ein Plus von etwa 10.000 Stellen auf 933.000 Beschäftigte. Gleichzeitig meldeten Baubetriebe im ersten Halbjahr 2026 53,4 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen.

Kennzahl Wert Quelle und Zeitraum
Beschäftigte Baugewerbe insgesamt knapp 2,3 Mio. BBSR, 2024
davon im Ausbaugewerbe rund 58 % BBSR, 2024
Beschäftigte Bauhauptgewerbe rund 923.000 ZDB, 2025
Prognose Bauhauptgewerbe 933.000 Bauindustrie, 2026
Betriebe Bauhauptgewerbe rund 82.000 BBSR, 2024
Insolvenzen je 10.000 Unternehmen 53,4 Statistisches Bundesamt, 1. Halbjahr 2026

Beschäftigung und Fachkräfte

Die Branche hat in der Neubaukrise kaum Personal abgebaut. Viele Betriebe halten ihre Fachkräfte, weil sie wissen, wie schwer diese später wieder zu finden sind. In der Sommerumfrage der Bauindustrie wollten 57 Prozent der Unternehmen ihr Personal halten, 24 Prozent aufstocken und nur 19 Prozent reduzieren. Diese Haltung stützt die Kapazitäten für den erwarteten Aufschwung, belastet aber die Produktivität, weil weniger Bauleistung auf gleich viele Beschäftigte kommt.

Für Berufseinsteiger bleibt die Bauwirtschaft attraktiv. Der Bedarf an Fachkräften für Sanierung, Infrastruktur und Energiewende wächst langfristig, unabhängig von kurzfristigen Schwankungen im Neubau. Informationen zu Ausbildung, Studium und Gehältern finden Sie im Ressort Karriere & Ausbildung.

Insolvenzen

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland stieg im ersten Halbjahr 2026 um 6,7 Prozent auf 12.812 Fälle. Das Baugewerbe lag mit 53,4 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen auf Rang drei hinter Verkehr und Lagerei sowie dem Gastgewerbe. Betroffen sind häufig Bauträger und kleinere Betriebe mit dünner Kapitaldecke, die gestiegene Material- und Lohnkosten nicht weitergeben konnten.

Für Bauherren ist das ein reales Risiko. Fällt ein Bauunternehmen während der Bauphase aus, drohen Verzögerungen und Mehrkosten. Abschlagszahlungen nur nach Baufortschritt, eine Vertragserfüllungsbürgschaft und ein Blick auf Referenzen und Bonität des Unternehmens senken dieses Risiko deutlich. Bei Verträgen mit Bauträgern lohnt außerdem ein genauer Blick darauf, wann welche Raten fällig werden und welche Sicherheiten der Bauträger stellt. Wer unsicher ist, lässt den Vertrag vor der Unterschrift von einer Fachanwältin, einem Fachanwalt oder einer Verbraucherzentrale prüfen. Die Kosten dafür sind gering im Vergleich zu dem Schaden, den eine Insolvenz mitten im Bau verursachen kann.

Ausblick

Die Bauwirtschaft steht im Herbst 2026 (Stand: Oktober 2026) an einem Wendepunkt mit Vorbehalten. Genehmigungen und Umsätze steigen, der Tiefbau profitiert vom Sondervermögen, und der Wohnungsneubau hat seine Talsohle hinter sich. Dagegen stehen gestiegene Kosten, schwankende Aufträge und schwache Gewinnaussichten vieler Betriebe. Ob 2027 das Jahr der Belebung wird, hängt vor allem davon ab, wie schnell öffentliche Mittel abfließen und ob die Baupreise sich wieder beruhigen. Laufende Meldungen zu Konjunktur, Verbänden und Politik finden Sie im Ressort Bauwirtschaft, Hintergründe zu Kaufen und Mieten unter Immobilien & Wohnen.

Häufige Fragen

Wie groß ist die Bauwirtschaft in Deutschland?

Das nominale Bauvolumen lag 2024 bei rund 534 Milliarden Euro. Für 2026 rechnet das DIW Berlin mit 568,6 Milliarden Euro.

Wie viele Menschen arbeiten in der Bauwirtschaft?

Im Baugewerbe arbeiten knapp 2,3 Millionen Menschen, davon rund 58 Prozent im Ausbaugewerbe. Im Bauhauptgewerbe waren es 2025 etwa 923.000 Beschäftigte.

Was ist der Unterschied zwischen Bauhauptgewerbe und Ausbaugewerbe?

Das Bauhauptgewerbe umfasst Hoch- und Tiefbau, also Rohbau und Infrastruktur. Das Ausbaugewerbe stattet Gebäude aus und modernisiert sie, etwa mit Elektro, Heizung, Sanitär oder Trockenbau.

Wächst die Bauwirtschaft 2026?

Ja, aber langsam. Das DIW erwartet real 1,7 Prozent mehr Bauvolumen, die Bauindustrie rechnet beim Umsatz nur noch mit plus 1,0 Prozent.

Welcher Bereich wächst am stärksten?

Der öffentliche Bau, vor allem der Tiefbau. Für den öffentlichen Tiefbau erwartet das DIW 2026 ein nominales Plus von 13,2 Prozent.

Was ist der Bau-Turbo?

Eine befristete Sonderregel in Paragraf 246e Baugesetzbuch, gültig seit 30. Oktober 2025. Gemeinden können damit Wohnungsbau ohne neuen Bebauungsplan zulassen.

Wie viel Geld aus dem Sondervermögen ist schon geflossen?

Im Jahr 2025 flossen rund 24 Milliarden Euro ab, davon gut 10 Milliarden in die Verkehrsinfrastruktur. Länder und Kommunen erhielten 2025 noch keine Mittel.

Wie stark steigen die Baupreise?

Die Preise für neue Wohngebäude stiegen 2025 um 3,2 Prozent. Im Mai 2026 lag der Anstieg zum Vorjahr bei 5,0 Prozent.

Quellen

  1. Bericht zur Lage und Perspektive der Bauwirtschaft 2026 (BBSR-Analysen KOMPAKT 05/2026)Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung · abgerufen 05.10.2026
  2. Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Juli 2026: -9,2 % zum VormonatStatistisches Bundesamt · abgerufen 05.10.2026
  3. Auftragseingang im Bauhauptgewerbe 2025 um 6,8 % höher als im VorjahrStatistisches Bundesamt · abgerufen 05.10.2026
  4. Baugenehmigungen für Wohnungen im Juli 2026: +1,9 % zum VorjahresmonatStatistisches Bundesamt · abgerufen 05.10.2026
  5. Mittelabfluss Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität 2025Bundesministerium der Finanzen · abgerufen 05.10.2026
  6. Bau-Turbo: Informationen für BauherrenBundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen · abgerufen 05.10.2026
  7. Solides Baujahr 2025: Starke Branche, bereit für drängende AufgabenZentralverband Deutsches Baugewerbe · abgerufen 05.10.2026
  8. BAUINDUSTRIE senkt Umsatzprognose 2026 auf plus 1 ProzentArchitekturblatt · abgerufen 05.10.2026

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