Brückensanierung an Autobahnen: 2026 nur 170 statt 400 Brücken

2025 wurden nur 157 Brücken-Teilbauwerke an Autobahnen modernisiert, 2026 werden es rund 170. Ziel sind 400 pro Jahr. Alle Zahlen seit 2021 im Überblick.

Blick unter eine Straßenbrücke aus Beton mit Pfeilern, Rasen und Bäumen
Foto: Aibek Skakov / Pexels
Kurz & knappStand Oktober 2026
  • 2025 modernisierte die Autobahn GmbH 157 Brücken-Teilbauwerke, nach 212 im Jahr 2024.
  • Im ersten Halbjahr 2026 wurden 70 Teilbauwerke fertig, für das ganze Jahr erwartet der Bund rund 170.
  • Das Programm sieht rund 400 Teilbauwerke pro Jahr vor, der Bundesrechnungshof hält knapp 600 für nötig.
  • Langfristig müssen rund 8.000 Teilbauwerke an Autobahnen modernisiert oder ersetzt werden.
  • Die Ausgaben für Ingenieurbauwerke an Autobahnen stiegen von 2020 bis 2024 um 32 % auf 1,446 Mrd. Euro.
Inhalt · 5 Abschnitte
  1. Wie viele Autobahnbrücken werden pro Jahr modernisiert?
  2. Wie groß ist der Sanierungsbedarf bei Autobahnbrücken?
  3. Warum kommt die Brückensanierung nicht voran?
  4. Wie viel Geld fließt in den Erhalt der Autobahnen?
  5. Was bedeuten die Zahlen für Autofahrer und Bauunternehmen?

Wie viele Autobahnbrücken werden pro Jahr modernisiert?

Die Autobahn GmbH des Bundes hat 2025 nur 157 Brücken-Teilbauwerke modernisiert, nach 212 im Jahr 2024. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 70 hinzu, bis Jahresende rechnet das Bundesverkehrsministerium mit rund 170. Das Ziel des Brückenmodernisierungsprogramms liegt bei etwa 400 Teilbauwerken pro Jahr. Die Zahlen stammen aus Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der Grünen-Abgeordneten Swantje Michaelsen.

Ein Teilbauwerk ist ein statisch eigenständiger Teil einer Brücke, etwa der Überbau einer Fahrtrichtung. Eine Autobahnbrücke mit getrennten Überbauten für beide Richtungen zählt deshalb als zwei Teilbauwerke. Die folgende Tabelle zeigt die Jahresleistung seit 2021 nach Angaben der Autobahn GmbH, ergänzt um die modernisierte Brückenfläche.

Jahr Modernisierte Teilbauwerke Modernisierte Brückenfläche
2021 124 93.000 m²
2022 213 245.000 m²
2023 210 318.000 m²
2024 212 395.000 m²
2025 157 Prognose Okt. 2025: rund 200.000 m²
1. Halbjahr 2026 70 keine Angabe
2026 (Erwartung) rund 170 Prognose Okt. 2025: rund 360.000 m²
Zielwert pro Jahr rund 400 rund 320.000 m²

Die Reihe zeigt zwei Entwicklungen. Bei der Zahl der Teilbauwerke stagniert die Leistung seit 2022 bei gut 200 und ist 2025 deutlich gesunken. Bei der Fläche wuchs sie dagegen bis 2024 auf 395.000 Quadratmeter und lag damit über dem rechnerischen Jahresziel. Der Grund: Die Autobahn GmbH zieht große, dringliche Brücken vor, die viel Fläche, aber wenige Teilbauwerke bedeuten.

In einem Satz: Nach drei Jahren mit gut 200 modernisierten Teilbauwerken ist die Brückensanierung 2025 eingebrochen und erreicht auch 2026 nicht einmal die Hälfte des Zielwerts.

Wie groß ist der Sanierungsbedarf bei Autobahnbrücken?

Im Autobahnnetz stehen rund 28.000 Brücken-Teilbauwerke, im gesamten Netz der Bundesfernstraßen etwa 40.000 Brücken. Nach der Brückenbilanz von 2022 müssen langfristig rund 8.000 Teilbauwerke an Autobahnen und etwa 3.000 an Bundesstraßen modernisiert oder ersetzt werden. Vorrang haben rund 4.000 Teilbauwerke in einem Kernnetz mit 3,2 Millionen Quadratmetern Brückenfläche, die bis voraussichtlich 2032 an der Reihe sind.

Das sogenannte Brückenmodernisierungsnetz umfasst etwa die Hälfte des Autobahnnetzes und verbindet die wichtigsten Korridore. Aus 4.000 Teilbauwerken in zehn Jahren ergibt sich der Zielwert von rund 400 pro Jahr. Hinzu kommen nach Angaben der Bundesregierung etwa 500 Teilbauwerke außerhalb des Kernnetzes, die wegen ihres schlechten Zustands ebenfalls bearbeitet werden müssen.

Kennzahl Wert
Brücken-Teilbauwerke im Autobahnnetz rund 28.000
Brücken im Netz der Bundesfernstraßen rund 40.000
Modernisierungsbedarf Autobahnen (langfristig) rund 8.000 Teilbauwerke
Modernisierungsbedarf Bundesstraßen (langfristig) rund 3.000 Teilbauwerke
Kernnetz bis 2032 rund 4.000 Teilbauwerke, 3,2 Mio. m²
Zusätzlich außerhalb des Kernnetzes rund 500 Teilbauwerke
Anteil der Brücken mit Baujahr vor 1985 55 %

Das Alter erklärt den Bedarf. Mehr als die Hälfte der Autobahnbrücken wurde vor 1985 gebaut, die Autobahn GmbH rechnet mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von rund 70 Jahren. Viele dieser Bauwerke wurden für deutlich weniger und leichteren Lkw-Verkehr geplant, als heute über sie rollt.

Spannbetonbrücken als Risikogruppe

Besonders kritisch sind ältere Spannbetonbrücken mit Spannstahl, der zu Spannungsrisskorrosion neigt. Im Autobahnnetz gibt es nach Angaben der Bundesregierung 271 solcher Teilbauwerke mit Stützweiten ab 30 Metern, alle mit Baujahr Anfang der 1980er Jahre oder älter. Ihre Zustandsnoten verteilen sich wie folgt:

Zustandsnote Bedeutung Anteil der 271 Teilbauwerke
1,0 bis 1,4 sehr gut 0 %
1,5 bis 1,9 gut 1,8 %
2,0 bis 2,4 befriedigend 27,3 %
2,5 bis 2,9 ausreichend 46,5 %
3,0 bis 3,4 nicht ausreichend 22,9 %
3,5 bis 4,0 ungenügend 1,5 %

Knapp ein Viertel dieser Bauwerke liegt damit im Bereich nicht ausreichend oder schlechter. Die Bundesregierung betont, dass die Zustandsnote allein die Defizite nicht abbildet. Für die Reihenfolge der Sanierungen zählt vor allem der Traglastindex, der die Tragfähigkeit einer Brücke im Vergleich zum heutigen Soll bewertet. 110 der 271 Teilbauwerke haben den schlechtesten Index V.

Warum kommt die Brückensanierung nicht voran?

Das Bundesverkehrsministerium nennt als Hauptgrund für den Einbruch 2025 die Einschränkungen durch die vorläufige Haushaltsführung. Der Bundesrechnungshof sieht tiefere Ursachen: Bis Ende 2024 habe die Autobahn GmbH nur rund 40 Prozent der geplanten Menge an Teilbauwerken modernisiert. Um das Kernnetz bis 2032 zu schaffen, wären nach seiner Rechnung inzwischen knapp 600 Teilbauwerke pro Jahr nötig, statt der bisherigen gut 200.

Der Rechnungshof kritisierte im April 2025 außerdem die Zählweise. Nur 40 Prozent der für 2023 und 24 Prozent der für 2024 gemeldeten Teilbauwerke entsprachen nach seiner Prüfung den Kriterien des Programms. Gemeldet worden seien teils auch Neubauten oder Brücken, die noch nicht hätten modernisiert werden müssen. Für 2024 hatte das Ministerium 280 programmgerechte Teilbauwerke eingeplant, geprüft erreicht wurden 69.

Kennzahl Wert Quelle
Zielwert Kernnetz pro Jahr rund 400 Teilbauwerke Bundesregierung
Nötige Jahresleistung laut Rechnungshof knapp 600 Teilbauwerke Bundesrechnungshof
Programmgerechte Teilbauwerke 2024, Plan 280 Bundesrechnungshof
Programmgerechte Teilbauwerke 2024, Ist 69 Bundesrechnungshof
Erwartung des Ministeriums für 2030 über 400 Teilbauwerke pro Jahr Bundesregierung

Die Bundesregierung hält dagegen, dass in den Anfangsjahren bewusst große und zeitaufwendige Brücken zuerst bearbeitet werden. Als Leistungsmaßstab sei deshalb die Fläche aussagekräftiger als die Zahl der Teilbauwerke. Bis 2030 soll die Zahl schrittweise auf über 400 pro Jahr steigen, weil dann mehr kleinere Brücken an der Reihe sind.

Wie viel Geld fließt in den Erhalt der Autobahnen?

Die Ausgaben für den Erhalt der Autobahnen sind deutlich gestiegen. 2024 gab der Bund laut Bundesregierung 4,279 Milliarden Euro für die Erhaltung der Bundesautobahnen aus, 2020 waren es 3,251 Milliarden Euro. Für Brücken, Tunnel und andere Ingenieurbauwerke an Autobahnen flossen 2024 rund 1,446 Milliarden Euro, 32 Prozent mehr als 2020. Mehr Geld hat bislang aber nicht zu mehr fertigen Brücken geführt.

Jahr Erhaltung Bundesautobahnen (Ist) davon Ingenieurbauwerke (Ist)
2020 3.251 Mio. Euro 1.099 Mio. Euro
2021 2.953 Mio. Euro 1.022 Mio. Euro
2022 3.348 Mio. Euro 1.047 Mio. Euro
2023 3.925 Mio. Euro 1.306 Mio. Euro
2024 4.279 Mio. Euro 1.446 Mio. Euro

Die Zahlen zeigen, dass das Problem nicht allein beim Geld liegt. Für Brückenneubauten braucht es Planer, Genehmigungen, Prüfstatiker und Baufirmen mit freien Kapazitäten. Die Autobahn GmbH hat ihr Personal für Planungsleistungen zwar von rund 2.133 Vollzeitstellen Anfang 2021 auf knapp 3.397 Ende 2024 aufgestockt. Bis ein Ersatzneubau fertig ist, vergehen trotzdem meist mehrere Jahre.

Was bedeuten die Zahlen für Autofahrer und Bauunternehmen?

Für Autofahrer heißt die langsame Brückensanierung: mehr Sperrungen, Lastbeschränkungen und Umleitungen über viele Jahre. Im Herbst 2025 waren 148 Brücken-Teilbauwerke an Autobahnen für genehmigungspflichtige Schwertransporte gesperrt. Für Bauunternehmen im Brücken- und Ingenieurbau bedeutet der Rückstand dagegen einen langen, verlässlichen Auftragsbestand, sobald der Bund die Mittel planbar bereitstellt und mehr Projekte ausschreibt.

Wie Brückenarbeiten den Alltag prägen, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Stuttgart. Auf der A831 setzt die Niederlassung Südwest der Autobahn GmbH die Instandsetzung der Brücke im Zuge der Katzenbachstraße in Stuttgart-Vaihingen fort. Nach Abschluss der Arbeiten auf der Brücke folgen ab dem 12. Oktober 2026 Arbeiten an den Pfeilern unter der Brücke. In Fahrtrichtung Singen ist dafür werktags von 8 bis 16 Uhr der zweite Fahrstreifen gesperrt, Richtung Stuttgart bleiben alle Spuren frei.

Solche Tagesbaustellen sind der Normalfall der Brückenerhaltung. Größere Eingriffe erfordern dagegen Vollsperrungen wie zuletzt an der Norderelbbrücke in Hamburg, über die wir im Beitrag A1-Vollsperrung Hamburg berichtet haben.

Was Bauherren und Betriebe beachten sollten

Für Unternehmen mit Schwertransporten oder Baustellenlogistik lohnt sich ein Blick auf die interaktive Brückenkarte des Bundes, in der Zustand und Beschränkungen jeder Brücke abrufbar sind. Folgende Punkte helfen bei der Planung:

  1. Transportrouten frühzeitig auf Lastbeschränkungen und Sperrungen für Schwertransporte prüfen.
  2. Zeitpuffer für Baustellen einplanen, vor allem bei Tagesbaustellen zwischen 8 und 16 Uhr.
  3. Ausschreibungen der Autobahn GmbH verfolgen, wenn Ihr Betrieb im Ingenieur- oder Brückenbau tätig ist.
  4. Bei Bauvorhaben in der Nähe von Autobahnbrücken Abstimmungen mit der zuständigen Niederlassung früh einleiten.

Stand der Daten ist Oktober 2026. Einen Überblick über Kosten, Marktentwicklung und Regeln im Straßen- und Brückenbau bietet unser Tiefbau & Infrastruktur Ratgeber. Wie sich die öffentlichen Bauinvestitionen auf die gesamte Branche auswirken, verfolgen wir im Ressort Bauwirtschaft.

Häufige Fragen

Wie viele Autobahnbrücken wurden 2025 saniert?

Die Autobahn GmbH hat 2025 nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums 157 Brücken-Teilbauwerke modernisiert. 2024 waren es 212.

Wie viele Brücken sollen pro Jahr modernisiert werden?

Das Brückenmodernisierungsprogramm sieht rund 400 Teilbauwerke oder 320.000 Quadratmeter Brückenfläche pro Jahr vor. Der Bundesrechnungshof hält inzwischen knapp 600 pro Jahr für nötig.

Was ist ein Brücken-Teilbauwerk?

Ein statisch eigenständiger Teil einer Brücke, etwa der Überbau einer Fahrtrichtung. Eine Autobahnbrücke mit zwei getrennten Überbauten zählt als zwei Teilbauwerke.

Warum dauert die Brückensanierung so lange?

Das Ministerium nennt die vorläufige Haushaltsführung 2025 als Grund. Hinzu kommen begrenzte Planungs- und Baukapazitäten sowie lange Genehmigungsverfahren.

Was passiert an der A831 in Stuttgart?

Ab dem 12. Oktober 2026 werden die Pfeiler der Brücke Katzenbachstraße in Stuttgart-Vaihingen instand gesetzt. Richtung Singen ist werktags von 8 bis 16 Uhr der zweite Fahrstreifen gesperrt.

Quellen

  1. Antwort der Bundesregierung: Sanierung und Ersatzneubau von Brückenbauwerken im Netz der Bundesautobahnen (Drucksache 21/2449)Deutscher Bundestag · abgerufen 10.10.2026
  2. Brückenmodernisierung bei Weitem nicht im ZeitplanDeutscher Bundestag (hib) · abgerufen 10.10.2026
  3. Brückenarbeiten auf der A831Die Autobahn GmbH des Bundes · abgerufen 10.10.2026
  4. FAQ BrückenDie Autobahn GmbH des Bundes · abgerufen 10.10.2026
  5. FAQ zur BrückenmodernisierungBundesministerium für Verkehr · abgerufen 10.10.2026
  6. Verschleppte Brückensanierung: So verärgert die Regierung die Autofahrert-online · abgerufen 10.10.2026
  7. Tausende Autobahnbrücken marode: So viele Brücken sollen bis Jahresende saniert werdenBerliner Zeitung · abgerufen 10.10.2026

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